Um auf den Einsatz von Insektiziden verzichten zu können, entwickelten Forscher des britischen Rothamstead Research Instituts vor Jahren die Idee, einen natürlichen Mechanismus zu nutzen. Wie wäre es, wenn Weizenpflanzen einen Stoff freisetzen könnten, der Blattläuse abschreckt? Sie dachten an ein Pheromon, einen Stoff, mit dem Blattläuse sich gegenseitig warnen, wenn sie von anderen Insekten angegriffen werden. Dieses Pheromon vertreibt andere Blattläuse und lockt andererseits aber auch Insekten an, die Blattläuse vertilgen. Solche Lock- und Warnstoffe funktionieren hervorragend – auf ihnen beruhen die giftfreien Klebefallen, die in Millionen von Haushalten im Einsatz sind, um Lebensmittel- und Kleidermotten zu bekämpfen. Es gibt auch Pflanzen wie etwa die wilde Kartoffel, die diesen Trick nutzen, um Schädlinge abzuwehren bzw. deren Feinde herbei zu locken.

Die Forscher modifizierten die Weizenpflanze mit Hilfe gentechnischer Methoden, so dass sie ein entsprechendes Pheromon bilden konnte. Im Gewächshaus funktionierte das Konzept, doch um seine Wirksamkeit auch unter Alltagsbedingungen zu überprüfen, mussten Versuche im Freiland gemacht werden.

Das rief 2012 Gegner der Gentechnik auf den Plan. Gemeinsam mit dubiosen „Experten“ überboten sie sich mit Schreckensszenarien, was die gentechnische Veränderung an Siechtum und Verderben über Anlieger, Konsumenten, die Landwirtschaft und die Umwelt bringen würde. Eine aus dem Boden gestampfte Initiative namens „Take the Flour Back“, die herausfand, dass ähnliche Gene auch in Kühen zu finden sind, warnte vor „Toast mit Kuh-Genen“  und protestierte mit Broten, aus den Kuhköpfe wuchsen. Schließlich drohte sie mit „decontamination“ (auf deutsch: „Feldbefreiung“), wie die Zerstörung von Forschungseinrichtungen heute euphemistisch heißt.

Die Forscher aus Rothamstead, einer öffentlichen Forschungseinrichtung, schrieben ihren Gegnern einen offenen Brief und versuchten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Das funktionierte gut – Rothamstead ist eine traditionsreiche und bekannte Forschungseinrichtung. Die Aktivisten sahen sich unter erheblichem öffentlichem Druck und fanden keinen Rückhalt für die angekündigte Zerstörungsaktion. Eine Demonstration, zu der sie einige hundert Sympathisanten mobilisieren konnten, blieb friedlich, auch dank des Einsatzes der Polizei.  Am Ende gelang es, die Verwüstung der Felder zu verhindern und den Weizen auszusäen – aber zu welchem Preis: Die Versuche kosteten 0,9 Mio. Euro, die Sicherheitsvorkehrungen, darunter ein aufwändiger Zaun und eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung, 2,2 Mio. Euro.

Nun stellte sich heraus, dass die Veränderung im Freiland nicht funktionierte – die Blattläuse blieben unbeeindruckt und ihre Feinde stellten sich nicht ein. Die Gegner triumphieren und sprechen von einer Verschwendung von 1,2 Mio. Euro Steuergelder.

Diese Reaktion zeigt allerdings, dass die Gentechnik-Kritiker von Forschung nichts verstehen. In der Wissenschaft geht es in erster Linie darum, in einem Experiment solide Daten zu erhalten, nicht darum, sofort ein Wunschergebnis zu erzielen. Dass die Veränderung im Labor bzw. Gewächshaus funktioniert hat, nicht aber im Freiland, gibt den Forschern wertvolle Hinweise dafür, was sie ändern müssen, damit der Trick auch unter realen Bedingungen funktioniert.

Und noch etwas zeigt das Ergebnis: Aktivisten wissen auch ganz ohne Wissenschaft, dass Gentechnik nicht funktioniert. Passen Forschungsergebnisse in ihr Konzept, sind sie höchst willkommen und glaubwürdig, passen sie nicht, waren die Forscher von Big Ag gekauft, um die Ergebnisse umzubiegen – ein Weltbild, das niemals in Gefahr geraten kann.