„Bei krebserregenden und hormonwirksamen Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. Sie können selbst in kleinsten Mengen eine gesundheitsschädigende Wirkung entfalten.“

Das schreibt ein Verein mit dem hochtrabenden Namen „Umweltinstitut München“, der im Wesentlichen aus einem Kampagnenbüro in der Münchener Innenstadt besteht und sich nach eigenen Angaben „für den ökologischen Landbau einsetzt“. Er hat Bier analysieren lassen und ruft jetzt nach Verboten. Grünen-Abgeordnete wie Harald Ebner und Bärbel Höhn haben sich der Verbotsforderung bereits angeschlossen.

Bier enthält einen Stoff, der krebserregend ist: Alkohol. Pro Flasche finden sich ca. 12,7 g, also deutlich mehr als „kleinste Mengen“ (Fruchtsäfte enthalten bis zu 3 Gramm Alkohol pro Liter). Ca. drei Prozent aller Krebsfälle in Deutschland sind auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Dabei besteht eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung: je mehr Alkohol getrunken wird, desto höher das Erkrankungsrisiko. Experten vermuten, dass bei Männern etwa 90% und bei Frauen rund 50% der alkoholbedingten Krebserkrankungen und Krebstodesfälle vermieden werden könnten, wenn Alkohol in den empfohlenen Maßen getrunken würde: Bei Männern höchstens 20 g pro Tag, bei Frauen höchstens 10 g pro Tag. Nicht nur der Alkohol, auch sein Abbauprodukt, das Acetaldehyd, ist krebserregend. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft Alkohol und Acetaldehyd denn auch in die höchste Gefahrenklasse (krebserregend, class 1) ein.

Bier enthält darüber hinaus Phytohormone, die der Hopfen als natürlcihes Insektizid bildet. Sie stehen in Verdacht, beim Menschen östrogenartige Wirkung zu entfalten.

Die Warnungen des Ökoinstituts München sind also berechtigt – nur, es warnt nicht vor Alkohol oder Phytoöstrogenen, sondern vor Spuren eines Stoffs, der im letzten Jahr in Verdacht geraten ist, bei Menschen, die beruflichen Umgang mit ihm haben, das Risiko für eine bestimmte Form von Blutkrebs geringfügig zu erhöhen. Der Stoff steht überdies aufgrund von Zellkulturstudien in Verdacht, in hoher Konzentration eine hormonartige Wirkung zu entfalten. Diesen Stoff wollen die „Experten“ in Mikrogrammmengen (bis zu ca. 30 Mikrogramm/Liter) gefunden haben (zur Erinnerung: Der schon „in kleinsten Mengen“ krebserregende Stoff Alkohol findet sich in der 1,3millionenfachen Menge). Jetzt rufen sie nach dem Vorsorgeprinzip: Die Chemikalie soll verboten werden, denn schon der Verdacht, ein Stoff könnte Krebs erzeugen, sei Grund genug, ihn aus dem Verkehr zu ziehen – es sei denn, es handelt sich um Wurst, rotes Fleisch oder Alkohol (alle IARC Class 1 – krebserregend).

Wenn aber des Deutschen Lieblingskarzinogene mit Spuren von einem „wahrscheinlich krebserregenden“ Stoff vergiftet werden, herrscht höchste Alarmstufe. Gerüchten zufolge lässt die grüne Bundestagsfraktion gerade Zigaretten auf Glyphosatrückstände untersuchen.

Anmerkungen:

  1. Es lässt sich leicht ausrechen, dass man mehr als 600 Liter Bier am Tag trinken müsste, um auf gesundheitlich bedenkliche Mengen zu kommen. All das setzt voraus, dass der Fund tatsächlich existiert, denn das Untersuchungslabor verwendete eine Methode, die zwar sehr empfindlich, aber gerade bei komplexen Proben sehr störanfällig ist. Diese Störanfälligkeit hat jedoch den „kampagnentechnischen Vorteil“, dass bei Störungen falsch positive Werte gefunden werden (s. Wie man Säuglinge für politische Kampagnen missbraucht).
  2. Um welchen Stoff handelt es sich? Es gibt hunderte von sicher krebserregenden Substanzen in unserer Umwelt und in unserer Nahrung. Hinzu kommen noch tausende von Chemikalien, die wahrscheinlich oder möglicherweise krebserregend sind. Eine Tasse Kaffee enthält bereits mehr als ein Dutzend krebserregender Stoffe. Eine der potentesten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt ist das Aflatoxin B1, das von Pilzen gebildet wird, die Nüsse, Getreide, Mais oder Pistazien befallen und sich in zahlreichen Lebensmitteln finden, oft in bedenklichen Konzentrationen. Honig enthält ebenso wie viele Tees häufig Pyrrolizidin-Alkaloide, die akut lebertoxisch sind und als krebserregend gelten. Doch die Grünen und zahlreiche Umweltschutzgruppen haben sich seit ein paar Jahren auf einen unter diesen vielen Stoffen eingeschossen: Glyphosat.Das seit Jahrzehnten bewährte und für Menschen praktisch ungiftige Pestizid wurde im letzten Jahr von Experten der IARC als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Seither steht es im Zentrum einer beispiellosen Kampagne. Dabei ergab sich die Gefahreneinstufung der als extrem vorsichtig bekannten Agentur u.a. aus Beobachtungen an Menschen, die beruflich Umgang mit dem Stoff haben (z. B. an der Herstellung oder Anwendung beteiligt sind), nicht etwa Konsumenten, die Nahrung mit Spuren von Glyphosat zu sich nahmen. Die Experten wollten nicht ausschließen, dass Glyphosat bei beruflich exponierten Menschen das Risiko für eine bestimmte Form von Blutkrebs erhöhen könnte, konnten aber auch nicht ausschließen, dass nicht der Wirkstoff, sondern die verwendeten Lösemittel Ursache waren.Die Logik hinter den auf den ersten (und zweiten) Blick völlig unsinnigen Kampagnen gegen Glyphosat ist klar: Fällt Glyphosat, dessen Zulassung in Europa Ende Juni ausläuft, haben die Lobbyisten des Biolandbaus gleich zwei Ziele erreicht. Den konventionellen Bauern fehlte eines der wichtigsten Mittel zur Bekämpfung von Unkraut und gleichzeitig fiele der Import von gentechnisch veränderten Futtermitteln, denn die können Spuren von Glyphosat enthalten. Das Kalkül: Die Situation würde die Kosten für konventionell anbauende Landwirte weiter in die Höhe treiben und Bauern, die nach veralteten, unproduktiven, aber als „ökologisch“ vergötterten Methoden produzieren, Vorteile verschaffen. Darauf zielen auch andere Maßnahmen, etwa die von den Grünen diskutierte Pestizidsteuer und das Verbot der „Massentierhaltung“ ab. Lebensmittel sollen deutlich teurer, Fleisch soll Luxusgut werden.