Seit Jahren wird die Öffentlichkeit durch Berichte verunsichert, wonach das Verfüttern von gentechnisch veränderten Pflanzen, vor allem Mais und Soja („Genmais“, „Gensoja“) bei Ratten, Mäusen, Schweinen und Rindern zu Krebs, Fortpflanzungsstörungen, Entzündungen und vorzeitigem Tod führt. Verwiesen wird auch auf das Herbizid Glyphosat, das beim Anbau einiger dieser Pflanzen bevorzugt eingesetzt wird.

Zuletzt erregte 2012 der französische Biologe Gilles-Eric Séralini Aufsehen mit Versuchen an 200 Laborratten. Dabei entwickelten zahlreiche Tiere im Verlauf von zwei Jahren viele und große Tumore. Séralini führte das darauf zurück, dass die Tiere „Genmais“ und Glyphosat in ihrer Nahrung erhalten hatten. Er hatte allerdings einen Rattenstamm verwendet, der extra dafür gezüchtet ist, sehr rasch Tumore zu entwickeln. Zudem unterschlug Séralini in seinen öffentlichen Verlautbarungen, dass auch die Tiere, die normale Kost erhielten, an Krebs erkrankten. Männliche Tiere mit Glyphosat im Trinkwasser oder viel „Genmais“ im Futter entwickelten sogar weniger Tumore als die Kontrollen. Diese Ausreißer weisen darauf hin, dass die Gruppen viel zu klein waren, um statistisch signifikante Aussagen zu treffen. Séralinis Ergebnisse standen im übrigen in Widerspruch zu mehr als 2.000 Studien aus der ganzen Welt, die ergeben hatten, dass es die behaupteten Gesundheitsrisiken nicht gibt. Die Veröffentlichung wurde denn auch von zahllosen Wissenschaftlern als methodisch unhaltbar zerpflückt und von der Zeitschrift zurückgezogen (inzwischen wurde der Artikel von einer anderen Zeitschrift unverändert erneut publiziert). Dennoch gelang es, Politiker zu alarmieren und die Öffentlichkeit nachhaltig zu beunruhigen.

Derselben Öffentlichkeit bislang völlig unbekannt ist eine neue Veröffentlichung kalifornischer Wissenschaftler zum Thema Gesundheitsgefährdung durch gentechnisch veränderte Nahrung.

Allerdings ist ihr Gruselfaktor auch gleich Null. Gleichwohl wäre sie geeignet, die Debatte um die vermeintlichen Gesundheitsgefahren der grünen Gentechnik  ein für alle Mal zu beenden. Es wird nämlich sehr schwer werden, die Daten anders zu interpretieren oder sie als Ergebnis einer Verschwörung auszugeben. Es geht um nichts anderes als den größten Fütterungstest unter realen Bedingungen, der je an Tieren vorgenommen wurde: eine Studie an mehr als 100 Milliarden Tieren.

70 bis 90% aller gentechnisch veränderter Pflanzen, die auf der Erde angebaut werden, werden als Futter für Nutztiere verwendet – Kühe, Schweine und Geflügel. In den USA fressen mittlerweile 95% der jährlich mehr als 9 Milliarden Nutztiere Futtermittel, die aus solchen Pflanzen hergestellt werden.

Alison L. Van Eenennaam and Amy E. Young, Wissenschaftlerinnen des Department of Animal Science der University of California in Davis haben jetzt das nahe Liegende getan. Sie haben anhand öffentlich zugänglicher Daten für die Jahre 1983 bis 2011 untersucht, ob es in diesem Zeitraum irgendwelche auffälligen Trends bei der Gesundheit von Nutztieren gegeben hat.

Stimmen die Warnungen und Behauptungen der Kritiker von Gentechnik in der Pflanzenzucht, müsste ab 1996, dem Jahr der Einführung der „Genpflanzen“, Auffälliges zu beobachten sein: geschwächte, kranke Tiere. Die Datensätze sind immens. Zwischen 2000 und 2011 haben allein in den USA über 100 Milliarden Nutztiere „Genfutter“ gefressen. Sie alle wurden landauf, landab vor der Schlachtung von Veterinären untersucht – so, wie es vom Gesetz vorgeschrieben ist. Die Untersuchungsergebnisse sind ebenso wie die Daten zur Milchleistung öffentlich zugänglich.

Die Zahlen könnten eindeutiger nicht sein: Der Milchertrag der Kühe und das Schlachtgewicht von Schweinen, Rindern und Geflügel haben im gesamten Zeitraum stetig zugenommen, die Zahl kranker Tiere und bestimmter Krankheitszeichen (Zellzahl in der Milch) stetig abgenommen. Es gibt nach 1996 nicht die kleinste Auffälligkeit in den Kurven. Es gibt auch keinerlei Unterschiede im Nährwertprofil der Nahrung, die aus diesen Tieren hergestellt wurde.

Greenpeace, Friends of the Earth, der WWF und andere, die seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren durch Gentechnik warnen, haben die Veröffentlichung bislang mit Schweigen übergangen. Sie passt nicht ins Konzept und nicht in die Strategie, der Bevölkerung Angst vor “Gift und Genen” in der Nahrung einzujagen. Entwarnung ist nicht “kampagnenfähig”, kostet Spendengelder und macht unglaubwürdig.

Die anfängliche Skepsis gegenüber gentechnischen Verfahren in der Pflanzenzucht mag vor einemVierteljahrhundert berechtigt gewesen sein. Aber wenn sich die Umweltschutzorganisationen nicht bis auf die Knochen blamieren wollen, sollten sie endlich zugeben, dass sie sich in zentralen Punkten geirrt haben. Es wird Zeit für eine Neubewertung.

Die Veröffentlichung ist hier nachzulesen.