Ist Gentechnik unberechenbar? Wie gefährlich ist es, Gene zu analysieren oder zu verändern? Sind Gene etwas Besonderes? Was ist heute mit Gentechnik möglich und was könnte morgen möglich sein? Diese Fragen werden seit den 1970er Jahren diskutiert. Bis heute überwiegt in Deutschland die Skepsis.

Vergleichen wir die Entwicklung der Gentechnik mit der Informationstechnologie, so befinden wir uns etwa auf dem Entwicklungsstand von 1979, als die Floppydisk das Nonplusultra der Datenspeicherung war. Computer und Informationstechnologie waren noch etwas für Spezialisten und Bastler. Zwar steuerten Computer bereits Telefonsystem, Ampeln und den Geldverkehr, Queen Elisabeth hatte ihre erste E-Mail verschickt und batteriebetriebene Rechner hatten genug Rechenleistung, um Menschen sicher auf die Mondoberfläche und zurück zu bringen. Es gab sogar schon den ersten Computerwurm. Aber Stand der Technik waren Apple II und Atari 800, das World Wide Web war noch nicht erfunden, Notebooks, Tablets und Smartphones noch in weiter Ferne. Die Computer beherrschten bereits unseren Alltag, aber die meisten Menschen konnten es nicht wahrnehmen. So ist es heute mit der Gentechnik.

Gentechnik ist längst Alltag, und es gibt niemanden, der nicht von ihr profitiert. Ohne Gentechnik ist weder die moderne Medizin noch die Polizeiarbeit denkbar. Gentechnik steckt in unseren Geldscheinen, im Sprit, im Zeitungspapier, in unseren Möbeln und der Kleidung, die wir tragen. Sie wird genutzt, um Krankheiten zu diagnostizieren, neue Medikamente zu entwickeln, die Umwelt zu schonen. Selbst Gentechnik-Gegner nutzen sie, um die Herkunft von Nahrungsmitteln zu analysieren; Bio-Saatguterzeuger, um ihre Pflanzen zu charakterisieren.

In Deutschland gab es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts starke Bestrebungen, Gentechnik zu verbieten – auch in der Medizin. Auf diesem Gebiet ist die Gentechnik heute längst akzeptiert, ebenso wie sie geschätzt wird, um Abwässer zu behandeln oder die Produktion von Chemikalien zu verbessern: Die Herstellung mittels gen- und biotechnologischer Verfahren spart Energie, vermeidet giftige Zwischenprodukte und schont Ressourcen, weil Abfallstoffe verwertet werden können. Nur bei Anwendungen in der Pflanzenzucht und Landwirtschaft  trifft die Gentechnik in Deutschland noch auf Fundamentalopposition.

In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Gentechnik in unsere Haushalte einziehen. In welcher Form – um Lebensmittel zu prüfen, Krankheiten zu diagnostizieren, Zierpflanzen zu züchten? – das können wir uns heute genausowenig vorstellen wie 1979 zu ahnen war, dass Millionen von Menschen schon drei Jahrzehnte später ein Gerät in der Tasche haben würden, mit dem sie telefonieren, das Wissen der Welt anzapfen, Busfahrkarten lösen und nebenbei noch Bilder und Videos schießen können, um sie sofort mit ihren Freunden zu teilen. Wer uns das voraus gesagt hätte, dem wären wir mit Skepsis begegnet: „Wie soll das gehen?“ und „Wer braucht so etwas?“

Wie bei jeder Technologie gibt es Missbrauchsmöglichkeiten, die Betrüger, Verbrecher und Terroristen anziehen. Spätestens, wenn die Gentechnik in unserer Hosentasche angekommen ist, werden wir all das, was wir heute von Computern kennen – Hacken, Manipulation von Daten, Identitätsdiebstahl, Spam und Terroranschläge – auch in der Biologie kennen lernen.

Grund genug, sich mit Gentechnik zu beschäftigen. Viel Spaß beim Stöbern.

Der Autor dieser Seiten ist Mitgründer der Kommunikationsagentur akampion. Alle Beiträge sowie seine Bücher sind seine Privatinitiative und geben seine Privatmeinung wieder.